VDG Weimar

Robin Weißenborn und Anne Marx


 

VDG Weimar ist seit 1992 ein auf geisteswissenschaftliche Fachliteratur spezialisierter Verlag zur Buchherstellung und dem Vertrieb der Inhalte in verschiedenen Medien. Das ist neben dem gedruckten Buch auch der PDF-Download im Internet. Die Titel werden in einer Volltextdatenbank gepflegt. Der größte Teil des Programms besteht aus hochspezialisierter Forschungsliteratur, der Schwerpunkt liegt hierbei auf Kunst- und Architekturgeschichte. Seit 2014 wird der Verlag der Bauhaus-Universität Weimar von VDG Weimar als Imprint fortgeführt. Im Bauhaus-Universitätsverlag Weimar erscheinen wissenschaftliche und künstlerische Publikationen aus allen Fakultäten der Universität, darunter Literatur zur Architektur und Architekturgeschichte und Lehrwerke für das Bauingenieurwesen.

Bei der Neukonzeption des visuellen Auftritts ging es darum, VDG Weimar und den Bauhaus-Universitätsverlag aufeinander abzustimmen. Es wurde eine Rahmengestaltung entwickelt, in der die Schriftenreihen ihre Eigenständigkeit behalten, der Verlag aber erkennbar als umschließende Klammer sichtbar ist.


 


 

Logoentwicklung

Das neue Logo soll die beiden Verlage VDG und den Bauhaus-Universitätsverlag visuell näher zusammenbringen. Dafür sorgt ein gleiches Darstellungssystem: Der Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften wird in der Kurzform (VDG) darstellt. Der Imprint namens Bauhaus-Universitätsverlag wird ebenfalls mit drei Buchstaben abgekürzt (BUV) um eine höhere Zusammengehörigkeit zu visualisieren.

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Neben der Abkürzung als alleinstehendes Logo, ist es durch das „Ausklappen“ von Unterordnern erweiterbar. Im ersten Unterordner steht der ausgeschriebene Verlagsname. Das Logo ist durch dieses System beliebig erweiterbar und fungiert als dynamisches Element im Gesamterscheinungsbild. So lässt sich für die Anwendung auf Buchcovern aus dem ausgeschriebenen Verlag ein weiterer Unterordner ausklappen der die Schriftenreihe benennt.

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Als Schriftart für die Bildmarke und als Standardhausschrift wird die GT Pressura Mono verwendet. Sie ist als Monospace-Schrift vielseitig einsetzbar, spiegelt den Charakter des Ordnersystems wider und besitzt ein modernes Erscheinungsbild.

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Buchcovergestaltung – Das System

Die Grundlage, auf der die neue Buchcovergestaltung basiert, ist ein System das aus Buchstaben Farben generiert. Aus der alphabetischen Sortierung ergibt sich für jeden Buchstaben eine Zahl. Wertet man auf diese Weise den Buchtitel Politik der Bilder aus und addiert die Zahlen zusammen ergibt sich eine Summe von 169.

 

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Im nächsten Schritt dient uns diese Summe als Farbwertermittler im HSB-Farbraum. Im HSB-Farbraum definiert sich Farbe aus drei Parametern: Farbwert (engl. Hue) Farbsättigung (engl. Saturation) und dem Helligkeitswert (Brightness). Die obere Abbildung zeigt eine räumliche Darstellung und benennt die Parameter.

 

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Die Summe definiert den Farbwert. Die Farbsättigung und der Helligkeitswert sind festgelegte Werte und für jeden Buchtitel gleich. So entsteht aus den vorgegebenen Parametern für den Titel Politik der Bilder ein Türkis.

 

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Das System wird auch auf die Schriftenreihen angewandt. Die Schriftenreihe für Politik der Bilder lautet Schriften der Guernica-Gesellschaft. Die Auswertung der Buchstaben dieser Reihe ergibt eine Summe von 324. Die Summe definiert erneut den Farbwert. Die Farbsättigung und die Helligkeit sind, im Vergleich zum Buchtitel, beide um 50% reduziert worden. So soll eine Hierarchie geschaffen werden, in der sich die Farbe der Schriftenreihe, die dunkler und sättigungsärmer ist als die der Buchtitel, unterordnet. Aus diesen Parametern entsteht ein dunkles lila.

 

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Das Buchstabenauswertungsschema wird zuletzt einmalig auf den Verlag angewandt, für den sich so eine feste Farbe ergibt, die im gesamten Erscheinungsbild gleich bleibt. Die Summe definiert erneut den Farbwert. Ist diese größer als 360, wie hier 470, wird solange 360 subtrahiert bis sich eine Zahl ergibt die sich ins Spektrum einfügen lässt (470-360=110). In diesem Schritt wird die Farbsättigung um weitere 50% und die Helligkeit um weitere 25% reduziert. Es ergibt sich eine weitere Hierarchiestufe. Dadurch dass für den Verlag ein Grauwert entsteht, grenzt er sich zur Schriftenreihe und zum Titel stets ausreichend ab. Als Corporate Farbe für den VDG Verlag ergibt sich ein dunkles Grau.

 

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Die drei entstandenen Farben grenzen sich klar voneinander ab und bilden über die unterschiedliche Farbsättigung und die Helligkeit eine erkennbare Hierarchie.

 

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Im nächsten Schritt werden die generierten Farben zum Gestaltungswerkzeug des Buchcovers. Beispielsweise unter dem Einsatz von Verläufen. Dabei ist die Farbe vor allem da vorherrschend wo die dazu passende Schriftkomponente steht. Die Farbe der Schriftenreihe befindet sich dabei am gesamten Rand des Covers um die verschiedenen Titel als eine Reihe erkennbar zu machen, wenn sie nebeneinander stehen. Durch die Verschiebung der Schrift und der dementsprechenden Anpassung des Verlaufs, kann eine Vielzahl von Variationen für die Titel entstehen. Der Verlauf ist somit ein wichtiger Gestaltungsparameter

 

 

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Das HSB-System war unsere Systemherleitung für die Buchcovergestaltung. Im Verlauf des Prozesses wurde deutlich, dass es einen kleinen aber nicht unbedeutenden Nachteil hat. Bei der Konvertierung einer Farbe aus dem HSB-Farbraum in den CMYK-Farbraum kann es zu starken Farbverschiebungen kommen. Die konvertierte Farbe verliert dabei an Sättigung und weicht stark von der Ausgangsfarbe ab. Um eine wirtschaftliche Druckproduktion der Titel zu gewährleisten sollten die Farben allerdings im CMYK-Farbraum vorliegen. Die sattesten Farben die im CMYK-Farbraum darstellbar sind, bestehen im Optimalfall aus höchstens 2 Farben ohne jeglichen Schwarzanteil. Dieser Fakt wurde zur Grundlage unserer eigenen Farbbibliothek, in der jede Farbe genau definiert ist und es so zu keinen Konvertierungsüberraschungen mehr kommen kann.

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Die Mischung aus nur zwei der vier Druckfarben ergibt die sattesten, druckbaren Farben. Die aus diesem Leitsatz entstandene Bibliothek enthält 300 Farben und bildet die Basis für die Titelfarben. Die Generierung der Coverfarbe funktioniert weiterhin über die Summe der Buchstabenpostionen im Alphabet. So erhält der Titel Politik der Bilder mit einer Summe von 169 die Farbe 169 aus der Bibliothek.

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Für die Farben der Schriftenreihen gibt es eine zweite Bibliothek in der die dritte und auch die vierte CMYK-Farbe Verwendung finden um eine ausreichende Abgrenzung zu den Titelfarben sichtbar zu machen. Diese 300 Farben sind erkennbar dunkler als in der Titelfarbenbibliothek. Die Generierung der Farbe für eine Schriftenreihe funktioniert gleich wie die des Titels. Ist die generierte Buchstabensumme einmal höher als 300, so subtrahiert man so lange 300 bis sich eine Farbe zuordnen lässt. Ist die Summe also beispielsweise 324, wie in der Schriftenreihe Schriften der Guernica-Gesellschaft, so würde man die Farbe 24 dieser Schriftenreihe aus der Bibliothek zuordnen.

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Die Farben für den VDG und den BUV basieren auf dem Katalog der Titelfarben und wurden wie die Titel und Schriftenreihen über die Buchstabensummen generiert. Zur Abgrenzung zu Titel- und Schriftenreihenfarbe wurden sie dann in Graustufen konvertiert. Die entstandenen Graustufen wurden in ihrer Helligkeit angepasst um optimale Lesbarkeit für die weißen Logos zu gewährleisten.

 

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Durch die exakte Definition sind jetzt nur noch Farben in Verwendung, die ein gutes bis sehr gutes Druckergebnis im CMYK-Farbraum erzielen. Eine ausreichende Variation ist durch die Anzahl von 300 Farben, die sich sichtbar voneinander Abgrenzen, gegeben.

 

 

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Ein weiterer Gestaltungsparameter für die Buchcover ist die Schrift, für den ein Schriftenkatalog erstellt wurde. Er besteht aus 5 Themenfeldern, denen jeweils eine passende Schriftart zugeteilt ist. Die Themenfelder sind aus der Analyse der Schlagworte im Onlinekatalog hervorgegangen. Jeder Buchtitel wird einem dieser Felder zugeordnet, wobei die Titel innerhalb einer Schriftenreihe auch einer gemeinsamen Gruppe angehören sollten. Der Titel, gegebenenfalls der Untertitel sowie der Autor, werden in der gewählten Schriftart gesetzt.

 

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Buchcovergestaltung – Die Anwendung

Der gerade beschriebene Gestaltungsablauf lässt sich in dieser Weise nicht auf alle Titel anwenden. Der VDG und der BUV haben einige Titel im Programm die keiner Schriftenreihe angehören. Auch Bilder spielen auf manchen Covern eine wichtige Rolle und helfen dabei Themengebiete zu visualisieren. Um auf individuelle Eigenheiten jeder Buchcovergestaltung eingehen zu können, haben wir einen Katalog mit 5 Fallbeispielen zusammengetragen unter dessen Anleitungsich jeder Titel im Programm gestalten lassen kann.

 

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Das Buch gehört zu einer Schriftenreihe,
das Cover soll kein Bild beinhalten.


  • der Titel der Schriftenreihe definiert die Farbe für den Verlaufsrahmen
  • der Buchtitel definiert die Farbe für die größere Verlaufsfläche
  • am unteren Rand befindet sich eine kleinere Verlaufsfläche in einer für den jeweiligen Verlag festgelegten Farbe
  • die Schrift für den Titel und den Autor wird entsprechend dem Themenfeld dem Schriftenkatalog entnommen und auf der Verlaufsfläche frei platziert
  • das Logo wird auf der unteren kleineren Verlaufsfläche platziert und enthält einen nach der Schriftenreihe benannten „Unterordner“

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Das Buch gehört zu einer Schriftenreihe,
das Cover soll ein Bild beinhalten.


  • der Titel der Schriftenreihe definiert die Farbe für das im Hintergrund liegende monochrome Bild
  • der Buchtitel definiert die Farbe für die größere Verlaufsfläche
  • am unteren Rand befindet sich eine kleinere Verlaufsfläche in einer für den jeweiligen Verlag festgelegten Farbe
  • die Schrift für den Titel und den Autor wird entsprechend dem Themenfeld dem Schriftenkatalog entnommen und auf der Verlaufsfläche frei platziert
  • das Logo wird auf der unteren kleineren Verlaufsfläche platziert und enthält einen nach der Schriftenreihe benannten „Unterordner“

 

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Das Buch gehört zu keiner Schriftenreihe,
der Verlag ist für die Gestaltung zuständig, ein Bild ist nicht vorgesehen.


  • die für den jeweiligen Verlag festgelegte Farbe ist die Farbe für den Verlaufsrahmen
  • der Buchtitel definiert die Farbe für die größere Verlaufsfläche
  • die Schrift für den Titel und den Autor wird entsprechend dem Themenfeld dem Schriftenkatalog entnommen und auf der Verlaufsfläche frei platziert
  • das Logo wird am unteren Rand platziert

 

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Das Buch gehört zu keiner Schriftenreihe,
der Verlag ist für die Gestaltung zuständig, das Cover soll ein Bild beinhalten.


  • die für den jeweiligen Verlag festgelegte Farbe ist die Farbe für das im Hintergrund liegende monochrome Bild
  • der Buchtitel definiert die Farbe für die größere Verlaufsfläche
  • die Schrift für den Titel und den Autor wird entsprechend dem Themenfeld dem Schriftenkatalog entnommen und auf der Verlaufsfläche frei platziert
  • das Logo wird am unteren Rand platziert

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Das Buch gehört zu keiner Schriftenreihe,
der Verlag ist nicht für die Gestaltung zuständig.


  • das Logo wird am unteren Rand platziert

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